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EXKLUSIVE LESEPROBEN

Band 3: Albtraumjäger

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⚠️ TRIGGERWARNUNG

Diese Leseproben enthalten explizite Darstellungen von Gewalt, Body-Horror und verstörende Inhalte.

Hinweis: Diese Szenen stammen aus Kapitel 3 des Romans.

1. Achtzehn Stunden

Bergfestung. Tag sechs seit dem Ausbruch. In achtzehn Stunden öffnet sich der Yakuza-Tresor im Jade Dragon Tower. Achtzehn Stunden, bis sie Alex retten oder für immer verlieren ...

Die Sonne versank hinter den Bergen wie ein sterbendes Auge. Blutrotes Licht sickerte durch die schmalen Fenster der Bergfestung und malte lange Schatten auf die Wände des Kriegsraums, der einst als Besprechungszimmer für Hiroshis abtrünnige Yakuza-Fraktion gedient hatte. Achtzehn Uhr. Tag sechs seit dem Ausbruch. Achtzehn Stunden, bis sich der Tresor öffnete.

Achtzehn Stunden, bis sie Alex entweder retten oder für immer verlieren würden.

Mia lehnte gegen die raue Betonwand und konzentrierte sich auf das Atmen. Einatmen. Ausatmen. Nicht umkippen. Der bandagierte Arm pochte im Rhythmus ihres Herzschlags, dumpf und beständig, wie eine zweite Uhr unter ihrer Haut. Drei Tage Morphiumentzug hatte sie hinter sich. Das Schlimmste ist überstanden, redete sie sich ein. Die Krämpfe kamen nur noch in Wellen, nicht mehr als Dauerfeuer. Ihre Hände zitterten kaum noch.

Fast kaum noch.

Nicht daran denken. Nicht jetzt.

Miguel Reyes stand am Kopfende des niedrigen Eichentischs und breitete seine Werkzeuge aus. Das leise Klimpern von Metall auf Holz war das einzige Geräusch im Raum. Spezialdietrich-Sets in Samtrollen. Elektronische Schließgeräte in gepolsterten Fächern. Handschuhe aus feinstem Ziegenleder, kaum dicker als eine zweite Haut. Jedes Instrument hatte seinen Platz, jede Bewegung war kontrolliert, als würde er ein Uhrwerk zusammensetzen.

„Der Tresorraum liegt im zweiunddreißigsten Stock." Miguel tippte auf den Bauplan des Jade Dragon Towers, den er auf das Tablet geladen hatte. Vierzig Stockwerke schwarzer Stahl und Panzerglas, projiziert auf den Wandbildschirm. „Zeitschlossmechanismus. Hundertachtundsechzig Stunden. Morgen Mittag geht die Tür auf."

Seine Stimme war ruhig, fast monoton, der Blick auf einen Punkt über dem Bildschirm fixiert, als würde er Schachzüge im Kopf berechnen. Wahrscheinlich tat er das auch.

„Alex ist seit einer Woche da drin." Mias Stimme klang brüchiger, als sie wollte. „Mit Martinez."

Das Wort hing wie Rauch im Raum.

Miguel sah sie an. Kurz, aber aufmerksam. „Carlos hat mir von ihr erzählt. Genug, um zu wissen, dass wir schnell sein müssen."

„Die Bombardierung", sagte Miguel. Er zoomte aus dem Gebäudeplan heraus, bis die gesamte Quarantänezone sichtbar wurde. Ein roter Kreis, der sich über die Stadt wie ein Fadenkreuz legte. „Taktische Nuklearwaffen. Fünfzehn Kilotonnen. Wann genau das Militär den Abzug drückt, wissen wir nicht. Aber der Countdown läuft seit Tag eins, und Tag sieben war immer der Termin."

Ein fernes Donnern rollte über die Festung. Alle erstarrten. Der Donner verhallte, niemand bewegte sich, bis nur noch das ferne Grollen der Berge nachhallte.

„Testbombardierung", flüsterte Yumi. „Sie wärmen sich auf."

Valentina Diaz stand am Fenster, als hätte sie das Donnern nicht gehört. Die untergehende Sonne warf Schatten quer durch den Raum, lang und scharf wie Klingen. Ihre Silhouette war reglos, versteinert, nur ihre linke Hand bewegte sich. Langsam. Rhythmisch.

Sie drehte Carlos' silbernen Ring zwischen den Fingern.

Drehen. Pressen. Drehen. Pressen.

Dann schloss sie die Faust. Fest. Fester. Bis Blut zwischen ihren Fingern hervorquoll und auf die Matten tropfte. Dunkelrot. Fast schwarz im schwindenden Licht.

Plop. Plop. Plop.

Miguel sah es. Natürlich sah er es. Mia bemerkte, wie sein Blick kurz zu Valentinas Hand zuckte, dann zurück zum Tablet. Carlos hätte etwas gesagt. Etwas Charmantes, Entwaffnendes. Miguel tippte weiter, als wäre das Blut auf dem Boden nur eine weitere Variable in seinen Berechnungen.

„Carlos hat mir gesagt, wenn ihm jemals etwas zustößt, soll ich für dich da sein." Seine Stimme blieb monoton, aber etwas in seinen Augen veränderte sich. Ein Flackern, schnell wie ein Lidschlag. „Er war da etwas altmodisch. Hat wohl vergessen, dass du eine der gefährlichsten Frauen bist, die ich kenne."

Ein schwaches Lächeln huschte über seine Lippen.

„Aber hey. Wenn du Hilfe brauchst, ich bin da. Als Partner. Nicht als Beschützer."

Valentina drehte sich langsam um. Das Blut lief ihr über das Handgelenk, sammelte sich in der Armbeuge.

„Carlos ist seit fast einer Woche tot."

Ihre Stimme schnitt wie eine Glasscherbe durch den Raum. Kalt. Scharf. Endgültig.

„Erzähl mir nichts darüber, was er wollte."

Schweigen. Das Blut tropfte weiter. Niemand wischte es auf.

💀 💀 💀

2. Team Hades

Miguel hat Unterstützung organisiert. Drei Profis aus dem Schatten. Eine wahnsinnige Akrobatin, ein Berg von einem Mann, ein Geist mit Tastatur. In einer anderen Welt hätte Mia bei diesen Gesichtern die Straßenseite gewechselt ...

„Ich habe Unterstützung organisiert." Miguel wischte über das Tablet. Drei Gesichter erschienen auf dem Wandbildschirm, gestochen scharf.

Mia musterte sie. In einer anderen Welt hätte sie bei diesen Gesichtern die Straßenseite gewechselt.

Eine Frau. Ende zwanzig, blasse Haut, das Haar in zwei Zöpfe gebunden, eine Seite schwarz, die andere blutrot. Ihr Grinsen war das eines Kindes, das Ameisen mit einer Lupe verbrannte. Am Hals, in verschnörkelten Buchstaben: DADDY.

„Jester." Miguel tippte auf das Bild. „Ehemalige Zirkusakrobatin, jetzt Auftragsmörderin. Wahnsinnig im klinischen Sinn, aber mit Wurfmessern trifft sie auf zwanzig Meter das Auge einer Stubenfliege. Sie nennt mich Daddy aus Gründen, die mein Therapeut nicht hören will. Ignoriert das einfach."

Das nächste Bild.

Ein Berg von einem Mann. Über zwei Meter, sicher um die hundertdreißig Kilo, Narben wie eine Landkarte der Gewalt. Augen, die nicht zu dem Körper passten. Ruhig. Fast sanft.

„Mammoth. Ehemaliger Elitesoldat. Trägt eine modifizierte Minigun namens Bertha mit sich rum wie andere Leute ihr Handy. Die Stahlschienen an seinen Armen sind kein medizinisches Gerät, sondern das Einzige, was verhindert, dass fünfzehn Kilo rotierender Rückstoß ihm die Schultern auskugeln. Letzten Monat wollte ein Auftraggeber die Bezahlung kürzen." Miguel legte das Tablet ab. „Mammoth wollte ihm nur die Hand schütteln, um die Sache zu klären."

Pause.

„Die Beerdigung war kompliziert. Sehr geschlossener Sarg."

Das dritte Gesicht. Androgyn, schlank, Anfang dreißig. Türkiser Irokesenstreifen, AR-Brille, Gefängnistätowierungen. Augen, die zu viel gesehen und zu wenig vergessen hatten.

„Cipher. Hacker, Infiltrator, technisches Genie. War bei einer Cyberterrorismus-Einheit, hat seine eigene Regierung gehackt, ist dafür eingesperrt worden. Beim Ausbruch geflohen." Miguel scrollte durch Ciphers Profil. „Kämpft mit Technik statt Muskeln. Kann jedes elektronische Schloss öffnen, jede Kamera blenden, jedes System knacken. Was er mit einer Tastatur anstellt, machen andere mit Sprengstoff."

Mia betrachtete die drei Gesichter. Jetzt waren sie Alex' beste Chance.

Vielleicht seine einzige.

„Was bekommen die dafür?", fragte sie.

„Ein Drittel vom Yakuza-Tresor. Millionen in Bar, Gold, Wertpapiere." Miguel zog die Handschuhe über seine Finger, langsam, wie ein Chirurg vor der Operation. „In der Apokalypse die neue Währung. Oder auch nicht. Ist mir egal. Solange sie kämpfen, bis wir Alex haben."

Das Bild auf dem Wandschirm wechselte zurück zum Gebäudeplan. Vierzig Stockwerke vertikaler Albtraum.

„Einfach so?", fragte Mia.

„Nein." Miguels Blick war ruhig. Nicht kalt, nicht warm. Einfach da. „Gar nichts daran wird einfach sein. Die Stadt ist eine Todeszone. Alles, was dort noch lebt, will uns fressen. Das Gebäude besteht aus vierzig Stockwerken voller Untoter. Und raus müssen wir denselben Weg nehmen, den wir reingekommen sind. Vierzig Stockwerke runter, durch die Horden, zurück durch die Kanalisation. Mit einem Verwundeten."

Er ließ die Worte sacken. Dann, fast beiläufig:

„Es sei denn, jemand fliegt uns rein. Und wieder raus."

Ein viertes Gesicht erschien auf dem Bildschirm. Feuerrotes Haar, Pilotenjacke, ein Grinsen, das nach Kerosin und schlechten Entscheidungen roch.

„Raven. Helikopterpilotin. Ex-Militär, unehrenhaft entlassen, seitdem fliegt sie für jeden, der zahlt. Und sie ist verdammt gut."

Miguel wischte das Bild weg.

„Die drei wissen nichts von ihr. Für Jester, Mammoth und Cipher ist das eine Bodenmission. Rein, rauf, Tresor, raus zu Fuß. Raven ist meine Versicherung. Unser Ass im Ärmel."

Er klappte das Tablet zu.

„Einfach wird daran gar nichts. Aber machbar? Ja. Machbar ist es."

💀 💀 💀

3. Verdammtes Weihnachtsgeschenk

Mia kämpft um ihren Platz im Team. Doch dann krachen die Türen des Kriegsraums auf, und die letzte Karte in Miguels Ärmel taumelt blutig in den Raum ...

„Ich komme mit."

Die Worte kamen aus Mias Mund, bevor sie darüber nachdenken konnte. Drei Augenpaare richteten sich auf sie. Miguel. Yumi. Valentina.

„Das ist keine gute Idee", sagte Miguel. Keine Emotion. Reine Feststellung.

„Ich bin kein verdammtes Kind!"

Mias Faust krachte auf den Tisch. Die Werkzeuge klirrten. Eine Samthülle rutschte über die Kante und fiel auf die Matte.

Miguel zuckte nicht mal.

„Du stehst seit drei Tagen auf den Beinen. Morphiumentzug. Dein Arm ist kaum verheilt. Dein Fieber war vor achtzehn Stunden noch bei neununddreißig Grad."

„War."

„War." Miguel musterte sie. „Und wenn es morgen wiederkommt? Mitten in der Kanalisation? Mitten im Tower?"

„Dann schleppe ich mich weiter." Mia hielt seinem Blick stand. „Alex ist wegen mir dort drin."

Miguel betrachtete sie. Lange. Ruhig. Seine Augen wanderten über ihre Haltung, ihre Hände, ihre Beine, als würde er eine Gleichung berechnen. Belastbarkeit mal Willenskraft geteilt durch Risiko.

„Du bleibst hinter mir. Immer. Wenn ich sage, du gehst, dann gehst du."

Keine Diskussion. Kein Kompromiss.

Mia nickte.

Es musste reichen.

Das Krachen kam ohne Vorwarnung.

Holz barst. Metall schrie. Die schwere Eichentür des Kriegsraums wurde nach innen geschleudert und donnerte gegen die Betonwand, so dass der Putz rieselte.

Mias Körper reagierte, bevor ihr Verstand es konnte. Sie fuhr hoch, riss den gesunden Arm vor sich, suchte eine Waffe, die nicht da war. Ihr Herz explodierte in ihrer Brust.

Yumi hatte das Katana halb gezogen. Valentina hielt ein Messer in der blutigen Faust. Miguel stand reglos, die Hand am Gürtel, den Blick auf die Tür gerichtet.

Eine Silhouette im Gegenlicht. Zu groß. Zu breit für den Türrahmen.

Dann schwankte sie.

Eine Gestalt taumelte herein. Blut tropfte von ihrer Schläfe, die Pilotenjacke war zerrissen, Aufnäher hingen in Fetzen, und in ihrem feuerroten Haar steckten Tannennadeln. Dutzende von Tannennadeln. Es sah aus, als hätte jemand einen Weihnachtsbaum geschüttelt und sie daruntergestellt.

„Verfickte ..." Die Frau lehnte schwer gegen den Türrahmen und versuchte ein Grinsen, das mehr einer Grimasse glich. „Scheiß ... Bäume."

Der Geruch von Kerosin und verbranntem Metall wehte in den Raum.

„Ihr müsstet mal meine Landung sehen." Sie wischte sich Blut aus dem Auge, betrachtete ihre rote Hand mit einem Ausdruck, der irgendwo zwischen Faszination und Irrsinn lag. „Direkt in eure beschissene Tanne. Wie ein verdammtes Weihnachtsgeschenk. Nur mit mehr Feuer."

💀 💀 💀

Bereit für den Albtraum?

Vierzig Stockwerke. Hundertachtundsechzig Stunden. Eine Söldner-Truppe, die niemand fürs Überleben bezahlt.
Was im zweiunddreißigsten Stock auf sie wartet, ist nur der Anfang ...

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